Wir sind raus! Das Landschaftsprojekt der Klassen 9

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Wir sind raus! Das hing als Transparent groß über dem Geländer unserer Sporthalle, als am Freitag dem 23.08.2021 unser Projekt zu den Kulturlandschaften im Landkreis Meißen seinen Abschluss fand.


An diesem Tag hieß das nicht nur, dass es der letzte Schultag war und alle Schüler endlich raus aus der Schule und rein in die Ferien durften, sondern es war auch das Motto des Projekts, an dem alle Schüler unserer 9. Klassen in der letzten Schulwoche teilnahmen. Das anspruchsvolle Ziel war, die Landschaft im Landkreis Meißen mit vielen ihrer Facetten neu zu entdecken und diese Entdeckungen auf unterschiedlichste Weise zu dokumentieren. Dazu hatte eine Projektgruppe der TU Dresden unter Leitung des Landschaftsarchitekten Maxim von Gagern gemeinsam mit dem Landratsamt Meißen umfangreiche Vorbereitungen getroffen.

Zum Auftakt des Projektes konnten sich alle Schüler in eine der möglichen acht Projektgruppen eintragen. Nach einem kurzen Gewusel in der Sporthalle hatten dann alle eine Gruppe gefunden. So ganz genau wusste keiner, was ihn erwartete. die Palette der möglichen Aktivitäten reichte von dem Bau eines Landschaftsmodells über die Erforschung der Energiegewinnung bis hin zur Dokumentation des ganzen Projektes in Video- und Audio-Clips. Alle machten sich erst einmal mit den Aufgabenstellungen vertraut. Dazu hatte die Vorbereitungsgruppe ein Arbeitsheft für jedes Mitglied erstellt. Allein der Vorbereitungsaufwand dafür ist bemerkenswert. Jeder Schüler, jede Schülerin sollte weitgehend selbstständig mit diesem Logbuch das Projekt bestreiten. Die Lehrer waren eigentlich nur dafür da, anzuleiten, zu kontrollieren und zu motivieren.

Die Projektgruppen hießen: "Landschaft in Sicht", "Vielfalt & Landschaft", "Wasser & Landschaft", "Von Dorf zu Dorf", "Stimmen der Landschaft", "Landscape Vlogger" und "Klanglandschaften".

Die beiden ersten Projekttage, Montag und Dienstag, waren für Exkursionen vorgesehen. Die Schüler schwärmten zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Gegend aus.
So erkundeten die Schüler der Gruppe "Landschaft in Sicht" neue Perspektiven auf die allen eigentlich vom täglichen Schulweg vertrauten Landschaften. Die Gruppe "Wasser und Landschaft" interessierte sich beispielsweise für die Energiegewinnung an Mulde und Triebisch. Die Gruppe "Von Dorf zu Dorf" erkundete historische oder auch neue Gebäude in den Dörfern, machte dazu Fotos und Aufzeichnungen oder unterhielt sich mit Einwohnern. Einige Schüler lernten auch, wie praktische Landschaftspflege aussehen kann. Sie pflegten Alleen unter fachkundiger Anleitung eines Garten und Landschaftsbauers.
Fast alle Gruppen wurden von Video-Teams und Audio-Teams begleitet. Außerdem waren Interviewer mit unterwegs, die dann gezielt auf die Menschen der Region zugingen und sich mit ihnen über ihre Erfahrungen und ihr Leben auf dem Dorf unterhielten. So interviewte eine Gruppe beispielsweise eine Zimmerin in Rothschönberg, die ein altes Fachwerkhaus eigenhändig renoviert hatte. Auf dem Ökohof in Mahlitzsch bekam man einen Eindruck von den Herausforderungen und Erfahrungen, die eine ökologische Landwirtschaft in einem renovierungsbedürftigen Bauernhof mit sich bringt.
Zusätzlich konnte man bei Bedarf einen Drohnenpiloten anfordern, der Luftaufnahmen für die entsprechenden Projekte bereit stellte.

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Ein Teil unserer Schüler war sicher das erste Mal so konzentriert und aufmerksam in der Landschaft zwischen Nossen, Miltitz und Lommatzsch unterwegs. Spätestens am Nachmittag merkten dann die Fußgänger und Radfahrer auch, dass es eine Hügellandschaft ist. Das ständige Auf und Ab zehrte doch bei einigen ganz schön an der Kondition. Zum Glück hatte das Landratsamt dafür gesorgt, dass alle Gruppen problemlos die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen konnten.
Mit Hilfe der Logbücher gelang es den Projektgruppen mehr oder weniger gut, die Zielstellungen ihrer Gruppe zu erreichen. Wichtig war es, Material zu sammeln für die jetzt folgenden zwei Produktionstage.

An diesen Produktionstagen, Mittwoch und Donnerstag, gestalteten die Gruppen dann ihre eigentlichen Projektergebnisse. Mit Computer, Akkuschrauber und Stichsäge, mit Kleber, Farbe und Schere entstanden so 3-D Modelle der Landschaft, ein Mobile mit Aussagen von Bewohnern, ein Schilderwald, Landschaftsprofile sowie Videos und Audio-Walks. Die Ideenvielfalt der Projektgruppen war beeindruckend. Durch technische Probleme ließ man sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen, dafür gab es meist eine Lösung. Kreatives Chaos kennzeichnete die Atmosphäre im Schulhaus.
Am Donnerstag Nachmittag war alles fertig, die Projekte wurden zu einer Ausstellung in der Sporthalle zusammengestellt.
Am Freitag konnten dann die Mitschüler, Eltern, Lehrer, Vertreter des Landratsamtes und andere Interessierte die Ergebnisse der Projekttage bewundern.
Vielen Dank an die Schülerinnen und Schüler, die Organisatoren, das Landratsamt, an die Lehrer/-innen und alle Unterstützer „auf dem Dorf“.
Ein solch umfangreiches Projekt, dass alle Schüler/-innen einer Klassenstufe einbindet, ist sicher auch immer ein Wagnis. Ich glaube aber, dass ein Großteil der Schüler neben den Informationen zum Projekt auch Erfahrungen gesammelt hat, die möglicherweise den Blick auf die Landschaft, in der wir leben, ihre Schönheiten und versteckten Schätze, ihre Problemzonen und Herausforderungen, weiten können.
Das Motto “Wir sind raus!” könnte also auch heißen: Geh mal raus und schau dich um! - und das ist Heimatkunde im besten Sinn.

Johannes Piontek
Gymnasium Nossen

(Video- und Bildquellen: Caroline Zein, Gymnasium Nossen)

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