Von Elefanten, Mangobäumen und der Sonne - Ein Einblick in das Leben eines Flüchtlings

von SZ-Autor

Geschrieben von Anna Maria Seifert

“Meine Schule war soweit von zu Hause entfernt, sie lag in einem Dorf. Manchmal liefen dort Elefanten vorbei, rein in den Wald,” schwärmt Aboubacar Coulibaly, ein junger Flüchtling, von seinem Heimatland, der Elfenbeinküste.

Denkt man sich die politischen sowie religiösen Probleme weg, welche das Land schon 2002 durch einen langwierigen Bürgerkrieg erschütterten oder 2010/2011 aufgrund der Präsidentschaftswahl, muss es dort wohl traumhaft schön sein.

Auf die Frage, was Aboubacar zuerst sieht, nachdem er aufwacht, antwortet er etwas scherzhaft:” Zuerst sehe ich die Sonne.” Die warme, afrikanische Sonne, welche ermöglicht, dass Kakaopflanzen nur so spriesen und damit die Elfenbeinküste zu einem der Hauptexpoteure machen, dass viele Mango-, Orangen- oder Guavenbäume wachsen können oder, dass es Papayas und Avocados in Hülle und Fülle gibt, wird in Deutschland wohl meist vermisst.

Aboubacar’s Heimatstadt heißt, mit ungefähr 300.000 Einwohnern besiedelt, Daloa. Diese liegt im Südwesten des Landes und wurde zum Bürgerkrieg 2002 von Regierung und Rebellen umkämpft. Dort wurde er geboren, erhielt den Namen Aboubacar, welcher von einem Propheten des Korans stammt, wuchs auf und floh schließlich auch. Er ist Muslim, minderjährig und hat mit seinen wenigen Lebensjahren schon mehr erlebt als die meisten Menschen hier in Deutschland.

Er spricht fließend Französisch, die Amtssprache in seinem Heimatland, sowie Mandinka, eine von über 80 anderen Sprachen. Ein einfaches „Hallo“ kann also mit „Bonjour“, „Salut“ oder „Allo“ ausgedrückt werden.

Als Aboubacar noch in Daloa lebte, startete sein Tag mit beten, sich fertig machen, etwas essen - wie von einem normalen, gläubigen Jugendlichen. An freien Tagen traf er sich gern mit Kumpels, spielte Fußball. An Schultagen lernte er natürlich in der Schule.”Die Schule war in einem Dorf, ich bin manchmal mit dem Fahrrad gefahren, manchmal mit einem Kumpel gelaufen, mein Vater konnte mich auch mal mitnehmen.”

Sein Vater ist seit dem Bürgerkrieg 2011 verschwunden, ob dieser tot ist, weiß niemand aus seiner Familie. Seine Mutter sowie seine jüngere Schwester sind noch in Daloa. Er floh mit seiner älteren Schwester, aufgrund der komplizierten politischen sowie religiösen Lage aus Westafrika nach Mali, Burkina Faso über Niger nach Lybien. Von dort aus wurde er über das Mittelmeer nach Italien übergesetzt, verlor dabei seine Schwester, floh dann weiter über die Schweiz nach Deutschland.

Seit einem Jahr lebt er in der Nähe von Meißen, besucht die neunte Klasse einer Oberschule, spielt oft Fußball mit Freunden und hat sich in seinem neuen, sehr anderen zu Hause gut eingelebt. Durch seine weltoffene Art konnte er sich in Deutschland perfekt integrieren, stellt ein Vorbild als ein schnell lernender, guter Schüler da und zeigt, wie viele andere, dass Humanität und Nächstenliebe vor Grenzen und Hautfarbe gestellt werden müssen.

In dem geführten Interview hatte ich das Gefühl, dass sich Aboubacar sehr gut in seine neue Heimat integriert hat. Dass Aboubacar sich so gut integrieren konnte, ist aber auch seinem Betreuer Peter Risse zu verdanken. Er engagiert sich für minderjährige Asylsuchende.

Vielleicht wollt auch ihr euch für gleichaltrige Flüchtlinge engagieren. Das könnt ihr zum Beispiel durch Hilfe beim Ausfüllen von Dokumenten, beim Erlernen der Sprache oder auch beim Erledigen von Hausaufgaben.

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Interview zeigen, dass Geflüchtete keine anderen Menschen sind und eure Hilfe sicherlich dankend annehmen. Möglicherweise ist diese ehrenamtliche Tätigkeit auch der Anfang einer Freundschaft.

Wenn ihr nun Lust bekommen habt, dann meldet euch einfach unter meiner Email-Adresse. Ich kann euch sicherlich noch genauere Details geben, wie ihr in eurer Region mit jungen Geflüchteten in Kontakt treten könnt.

 

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