Tag der Zivilcourage 2017

von SZ-Autor

Nun ist er schon wieder vorbei - der Tag der Zivilcourage 2017. Neues Wissen und vor allem Lebensgeschichten von Menschen, die unseren Tag der Zivilcourage bereicherten, bleiben uns in Erinnerung. Wir sagen Danke für diesen grandiosen, facettenreichen und interessanten Tag.

Leider ist so ein Tag viel zu kurz, um alle Workshops besuchen zu können. Das ist aber kein Problem - wir haben unsere SZ-Redakteure losgeschickt, um Eindrücke für Euch zu sammeln.

Rasha Nasr - zwischen Syrien und Deutschland

Rasha Nasr - Asylbeauftragte von der Universitätsstadt Freiberg war selbst einmal Schülerin des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Nossen. Nach ihrem Studium in Dresden wurde die Tochter syrischer Immigranten Asylbeauftragte von Freiberg. In der Präsentation „Zwischen Syrien und Deutschland“ klärte sie über Fluchtursachen auf und kam mit Schülern aus der zehnten und elften Klasse über das Thema „Flucht und Vertreibung“ in‘s Gespräch.

Theater pädagogisches Zentrum

Mit Herrn Strobel vom Theater pädagogischen Zentrum erlebten die 7. Klassen eine ganz neue Form von Theater: das Improvisationstheater – kurz Improtheater. Dabei sind vor allem Spontanität und Kreativität von wichtiger Rolle, wie sich bereits bei der Erwärmung zeigte. Erwärmung?! Moment mal…was denn nun Theater oder Sport? Natürlich ist mit der Erwärmung kein Runden rennen, Springseil springen oder sonstige Elemente aus dem Sportunterricht gemeint, vielmehr sollte man lernen über seinen eigenen Schatten zu springen und offen für die kommenden 90 Minuten zu werden.

Das wurde mit „Klatschsignalen“, welche in die Runde gegeben wurden und auf welche man besonders achtgeben musste, und virtuellen Gegenständen, die man sich spontan ausdenken sollte und ohne Worte beschreiben sollte, geschafft. Später ging es dann aber endlich los mit Schauspielern. Zunächst dachten sich die Schüler Situationen aus, bei dem sich der gesellschaftliche Status und die Abhängigkeit zwischen zwei Personen abrupt ändern.

Improthater auf höchstem Niveau war für die Siebtklässler die Aufgabe sich Charaktere auszudenken, die miteinander auf einer „Parkbank“ spielen, denn wenn eine Person den Schauplatz verlässt, muss sie von einem anderen Schüler durch einen anderen Charakter ersetzt werden. Auch wenn sich die Gymnasiasten damit teilweise etwas schwer taten, sah man, wie viel Potenzial und Können in einigen schon steckt!

Henning Homann – Demokratie braucht Beteiligung

Unser Schulpate für „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ war auch dabei:

Schüler fragen ihn: „Was ist denn Ihre Meinung zu Trump, der AFD und dem jetzigen Wahlalter?“
An der Tafel häuften sich Fragen über die Transparenz der Politik in den Medien, die Gleichberechtigung von Mann und Frau in Deutschland, die Flüchtlingspolitik und auch die Benutzung von Tasern bei der Polizei. Diskussionsentfachend stellten sich Fragen über das Wahlalter, die rechte Szene und die mächtigste Person der Welt heraus.

Ein Blick auf die Uhr und es war klar, dass andere aufgeführte Frage nicht mehr beantwortet werden konnten, da sich Henning Homann ausgiebig mit den zuvor gestellten befasste und seine Meinung darlegte.

Fußball als Integrationsmöglichkeit

Am Morgen stellte sich uns der Sozialarbeiter Carsten Simank vor, der 2003 an unserer Schule Abitur gemacht hat. Er hatte vier Flüchtlinge aus der Unterkunft in Miltitz mitgebracht.

Anfangs waren die Flüchtlinge gegenüber so vielen neugierigen Schülern noch etwas schüchtern, weshalb Herr Simank uns erstmal etwas über seine Arbeit erzählt hat und dass er besonders faszinierend fand, dass jeder, der nach Miltitz kommt, Fußball spielen kann.

Deshalb lernen sie sich untereinander meist beim Spielen kennen und treffen dabei auch deutsche Jugendliche. Danach erzählten uns Asylsuchenden etwas über ihre Flucht und die unglaublich lange Dauer – über ein Jahr teilweise.

Sie erzählten, dass es ihnen relativ schwer fällt in der Schule Deutsch zu lernen, weil es eine sehr schwere Sprache ist. Als Dolmetscher agierten die beiden anwesenden Französischlehrer, da zwei Jugendliche nicht so gut Deutsch und auch kein Englisch sprechen.

Anfeindungen haben die Vier selbst noch nicht erlebt, nur etwas verängstigte oder verunsicherte Blicke.

Ihre Familien vermissen alle sehr und drei von ihnen stehen regelmäßig mit ihnen in Kontakt. Es war sehr interessant, einmal einige Informationen zu Flüchtlingen, die man sonst immer nur überliefert bekommt, aus erster Hand zu erhalten.

TU Bergakademie

Verschiedene ausländische Studenten der TU Bergakademie Freiberg reisten gemeinsam mit Herrn Mayer an und präsentierten uns verschiedene Länder.

So bekamen wir einen Einblick in das Land Kamerun – die Heimat einer Studentin. Schnell wurde uns bewusst: Es ist kein Vorurteil, dass Männer in Afrika mehrere Frauen haben und dass fünf bis zehn Kinder in einer Familie keine Seltenheit sind. Die Menschen in Kamerun leben im Norden, Süden, Westen und Osten jeweils ganz unterschiedlich.

Da das Land sowohl Anteil an der Sahara als auch am tropischen Regenwald hat, ist es nicht verwunderlich, dass die Häuser von Region zu Region keinem einheitlichen Baustil folgen. Neben den kamerunischen Amtssprachen Englisch und Französisch sind auch über 200 nationale Sprachen vertreten. Die aber beeindruckendste Sprache, die Kameruner sprechen ist ohne Zweifel Pidjin – in dem Fall ein Sprachenmix aus Französisch und Englisch, der nach Belieben zusammengesetzt wird und beinahe die Funktionen einer Geheimsprache erfüllt – denn wer sich nicht mit beiden Sprachen gut auskennt, versteht nichts.

Ein weiterer Student stellte sein Heimatland auf Englisch vor. Hier konnte man also seine Fremsprachenkenntnisse trainieren – und zwar am meisten im Fachgebiet „Essen“, denn das war das Lieblingsthema Ahmers.

In beiden Präsentationen war anschließend Zeit für viele Fragen, denn wann sonst bekommt man schon die Möglichkeit, Menschen aus anderen Ländern so nah zu begegnen?
Des Weiteren diskutierte Herr Mayer mit uns über Toleranz. Seine Bezeichnung der intoleranten Menschen als Trumpel sorgte dabei für großes Gelächter.

Aber wann zeigt man denn wirklich Toleranz und wie kann man mit ihr Konflikte lösen? Hier gingen die Meinungen weit auseinander – die Anerkennung des Rechts für eine freie Entfaltung aber wurde bedingungslos in den Mittelpunkt gestellt.

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