Politisches Interesse oder eher flache Diskussionen? - Aus der Sicht eines GRW-Lehrers

von SZ-Autor

In unserer politischen Wochenserie wurde schon oft von dem GRW-Unterricht gesprochen. Besonders als Schülerzeitung ist uns der Bezug zu dem Unterrichtsfach, was sich übrigens von den Themen Gemeinschaft-Recht-Wirtschaft handelt und daher seinen Namen hat, besonders wichtig. Deshalb haben wir auch unserem GRW-Lehrer Herr Piontek zu seiner Sicht auf die Politik explizit im Unterricht Fragen wie “Wie verhalten sich Schüler im Unterricht bei politischen Diskussionen?“ gestellt.

Wie so häufig ist die Antwort auf diese Fragen nicht einfach. Über allem steht glaube ich unbestritten, dass es im GRW Unterricht keine verbotenen Meinungen gibt, sofern sie nicht das Grundgesetz und andere rechtliche Regelungen verletzen.

Die SchülerInnen als solche sind dann so unterschiedlich, dass man kaum pauschal eine Aussage treffen kann. Ich merke in meinem Unterricht, dass bei aktuellen Themen Interesse vorhanden ist und auch angeregte Diskussionen entstehen. Dabei gibt es SchülerInnen, bei denen man erkennt, dass sie sich mit der Materie beschäftigt haben. Ihre Beiträge sind tiefgründig und fundiert. Andere argumentieren eher aus dem Gefühl heraus, es fällt ihnen jedoch schwer, diese Argumentation rational zu begründen. Und es gibt natürlich die Gruppe, die sich an solchen Diskussionen nicht beteiligt, sei es aus politischem oder allgemeinem Desinteresse.

Am nervigsten für den Lehrer sind diejenigen, die durch teilweise flache, dumme oder unsachliche Aussagen das Niveau der Diskussion verringern. Da muss dann schon entsprechend gesteuert werden.

Von einer grundsätzlichen Politikverdrossenheit kann man glaube ich nicht ausgehen. Etwas schwieriger wird es, zu beurteilen, in welchem Maße SchülerInnen selbst politisch aktiv werden. Hier findet ja viel auch außerhalb des Unterrichts statt. In der Vergangenheit gab es schon einige Beispiele dafür. Ich erinnere mich an von Schülern organisierte Friedensdemos, an Schüler, die in politischen Parteien aktiv geworden sind, ja zum Teil selbst eine gründen wollten. Auch der Tag der Zivilcourage ist für mich ein Beispiel für politische Aktivität. Es gibt also die Aktiven und die Passiven.

Das Diskutieren auf hoffentlich hohem Niveau ist ja nur eine Seite des GRW Unterrichts. Eine gute Diskussion setzt auch voraus, dass man Sachzusammenhänge kennt, und die müssen eben erlernt werden. Und das ist wie in jedem anderen Fach anstrengend. Aber nur so kann ich politische Ereignisse richtig einordnen.

Ich kann nicht sagen, welche Bedeutung der GRW-Unterricht für den Schüler hat. Das wäre ja mal ein Thema für eine Umfrage unter Schülern. Vielleicht ist er ein Ort, an dem man sich über die Gesellschaft und ihre Funktionsweise Gedanken machen muss, wozu man ansonsten keine Zeit oder keine Lust hat.

Ich denke, für einen Teil wird das in GRW besprochene möglicherweise erst in Zukunft eine Rolle spielen, wenn man darauf angewiesen ist, sein Leben selbstständig zu gestalten und merkt, dass man in gesellschaftliche Freiheiten und Zwänge eingebunden ist. Vielleicht findet man dann zu seiner eigenen Form, sich politisch zu engagieren.

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