Unterrichtskürzungen? Das ist die Reaktion unseres Landesschülersprechers! - Teil 2 des Interviews mit Noah Wehn

von SZ-Autor

Geschrieben von Franz Richter

Mit dem Hintergrundwissen des ersten Teils des Interviews könnt ihr euch nun dem Zweiten widmen. Dazu haben wir im Vorfeld eine Umfrage durchgeführt, in der ihr die Möglichkeit bekommen habt, Fragen zu stellen, Kritik zu äußern und Vorschläge für die Arbeit des LSR einzubringen. Wir haben diese in eurem Namen, völlig anonym, an Noah herangetragen und ihn gebeten, sich dazu zu positionieren.

Als einzelner Schüler die Verantwortung für alle anderen Schüler im Freistaat zu haben und deren Interessen zu vertreten - da ist die Frage natürlich berechtigt, ob Noah diese Verantwortung auch greifen kann und ob er sich dem bewusst ist.

SZ-News: „Bist du dir stets bewusst, wie viele Schülerinnen und Schüler du vertrittst? Ist das für dich greifbar? Inwiefern glaubst du, deren Interessen zielgerichtet und tatkräftig zu vertreten?

Noah: „Das ist für mich absolut nicht greifbar. [...] Manchmal wünsche ich mir, dass sich mal alle Schüler, dich ich vertrete sich auf einem großen Platz versammeln, damit ich sehe, wie viele das sind. [...] Ich kann natürlich nicht immer alle Interessen vertreten, aber die Mehrheit vertrete ich schon, weil mein Umfeld sehr vielfältig ist. Ich kenne viele Oberschüler, Berufsschüler und auch Gymnasiasten. Ich bekomme also auch Probleme aus allen Schulformen mitgeteilt.“

In diesem Interview mit Noah Wehn ging es uns aber auch um spezifische politische Anliegen. Über den Lehrermangel, deren Verbeamtung und Unterrichtskürzungen wurde gesprochen.

SZ-News: „Warum werden Unterrichtsstunden gekürzt, um die Schüler zu entlasten?“

Noah: „Hier wird wahrscheinlich auf die Kürzung von Kunst, Musik, Sport und der zweiten Fremdsprache angespielt. Das stand zwar im Raum, wurde aber nicht umgesetzt. Es handelt sich hierbei um eine von mehreren diskutierten Maßnahmen, die das Ziel verfolgen die sächsischen Schülerinnen und Schüler zu entlasten. Das gerade bei der kleinsten Fächergruppe angesetzt wird kann ich nicht nachvollziehen und noch weniger, dass der Globalisierungsgeneration die Fremdsprachen gekürzt werden. Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Fremdsprachenkenntnisse.

SZ-News: „Was hältst du von Quereinsteigern?“

Noah: „Quereinsteiger sind eine notwendige Antwort, aber keine langfristige Lösung. In einem modernen Bildungssystem sind Quereinsteiger nicht das Nonplusultra. Natürlich ist das eine Möglichkeit, um schnell neue Lehrer zu erhalten, wenn welche fehlen, aber wir müssen Quereinsteigern jetzt noch die entsprechende Didaktik an die Hand legen. Es ist aber auch wichtig, dass wir richtige Lehrer nicht benachteiligen und für eine ausreichende Anzahl von neuen Lehrern sorgen.“

Die nicht repräsentative Umfrage hat ergeben, dass einige Schüler an unserer Schule anscheinend sehr wenig über die Arbeit des LSR wissen.

SZ-News: „Der Landesschülersprecher sollte dafür sorgen, dass mehr Informationen über die Arbeit und Beschlüsse des LSR bis in die Schulen und Klassen gelangen, damit alle Schüler besser informiert werden und eventuell mehr Interesse an Politik und Mitbestimmung entwickeln. Ich persönlich fühle mich schlecht über die Arbeit des LSR informiert.“

Noah: „Das ist ein guter Punkt. Sehe ich auch so. Wir sind dabei, das zu ändern.“

Noah zeigt sich in diesem Punkt einsichtig und verspricht uns Besserung.

Einige Schüler sehen den LSR eher als eine Institution an, die Geld verschwendet, oder mit der Planung beschäftigt ist, wie man dieses am besten ausgibt.

Noah: „Ich denke, dass diese Kritik auf reine Unwissenheit zurückzuführen ist. Wer sich mit uns ernsthaft auseinandersetzt, wird merken, dass wir nicht nur reden, sondern auch vor allem machen. Solche Behauptungen sind für mich persönlich an den Haaren herbeigezogen. Ich habe nun ja schon mehrfach betont wo wir etwas bewirken konnten.

SZ-News: „Glaubst du, dass mehr Transparenz nötig ist?“

Noah: „Das Ergebnis eurer Umfrage gibt mir an gewissen Stellen zu denken, aber ich glaube nicht, dass es fehlender Transparenz geschuldet ist, weil relativ viel nach außen kommt. Das eigentliche Problem, dass ich auch in meiner Legislaturperiode beheben will, ist die Bekanntheit. Wir haben, wie gesagt, aktuell ein paar Sachen in Planung und wenn wir das so umsetzen können, dann steckt da unheimlich viel Potential drin.“

Ein Thema das gerade bundespolitisch von großer Bedeutung ist, und auch regelmäßig für Gesprächsstoff von Lehrern und Schülern sorgt, ist die Digitalisierung an Schulen.

Noah: „Das ist ein ganz wichtiges Thema und da sind wir dran. Was mir noch sehr wichtig ist, ist, dass man nicht nur das alte auf etwas Neues projiziert, also nicht nur PowerPoint statt Tafel, sondern dass auch der Unterricht angepasst wird. Also, dass mehr Wert auf Interaktion und eLearning gelegt wird. Wir wollen das Bestmögliche an Digitalisierung herausholen.“

SZ-News: „An unserer Schule gibt es zwei Klassensätze Tablets und einige Smartboards. Ist das zu wenig?“

Noah: „Das ist viel zu wenig. Die Politik muss sich einig werden, wie wir mit der Digitalisierung verfahren, ob jeder sei eigenes Gerät in der Schule zum Lernen nutzt, da sowieso fast jeder über ein Smartphone verfügt oder ob das Ganze durch Schulträger oder das Land finanziert wird. Die Lehrpläne müssen angepasst werden und in der Lehrergrundausbildung muss mehr Medienkompetenz vermittelt werden. Mit dem jetzigen Stand können wir uns nicht zufriedengeben, weil es in vielen anderen Staaten bereits weiter fortgeschritten ist.“

Zum Schluss haben wir noch ein Anliegen im Namen der meisten Schüler unserer Schule angesprochen - der fehlende, bzw. der zu schlechte Internetanschluss. Ein Thema, über das sich Schüler und Lehrer gleichermaßen aufregen. Für die technischen Daten zu dieser Frage hat Noah Hilfe vom Geschäftsführer des LSR, Erik Bußmann, bekommen.

Noah: „Wir können nur Herrn Kretschmer sagen, er soll seine Hausaufgaben machen. Wir haben ein bildungspolitisches Mandat und das geht schon in Richtung digitale Infrastruktur. Wenn man darüber diskutiert, was nicht zu Deutschland gehört, dann ist das eine schlechte Internetverbindung, diese sollte nicht zu Deutschland gehören.“

Erik: „Wir haben das Konzept Medien, Bildung, Digitalisierung in der Schule. Dazu gehört auch der Breitbandausbau. Da setzen wir natürlich Prioritäten. Das beginnt dort, wo so gut wie gar kein Internet anliegt. Ich bin also relativ zuversichtlich, dass sich der Landkreis sich da um eure Schule kümmern wird, weil 20.000 schon zu dieser Kategorie gehört. [...]“

Noah: „Durch das Konzept, ja. Aber mehr können wir leider nicht tun.“

Der LSR ist in Bezug auf dieses Thema also auf unserer Seite und macht uns Hoffnung auf Besserung der Situation. Vielleicht erhalten wir in einiger Zeit einen besseren Breitbandanschluss.

SZ-News: „Das war es auch schon. Ich bedanke mich sehr, dass du dir die Zeit für uns genommen hast.

Noah: „Selbstverständlich.“

Wir hoffen, dass ihr jetzt einen besseren Überblick über die Arbeit und die Ziele des Landesschülerrats habt und dass all eure Fragen beantwortet werden konnten.

Ihr wisst nun hoffentlich, dass Schüler in der Politik keineswegs machtlos sind und dass es viele Möglichkeiten gibt, sich zu engagieren und aktiv am politischen Prozess mitzuwirken.

Es ist extrem wichtig, dass ihr euch politisch engagiert. Das muss natürlich nicht mit so großem Einsatz sein, wie Noah ihn zeigt. Es reicht auch einfach nur, wenn ihr eure Meinung sagt, diese in Diskussionen mit guten Argumenten belegt, dazu steht und dafür eintretet. Das fängt auch schon bei einer Diskussion in eure Familie an und geht im GRW-Unterricht weiter.

Auch ihr müsst irgendwann wählen gehen, euch mit Politik befassen, eure Meinung bilden und euch zu einem Standpunkt positionieren. Deshalb ist politisches Engagement so wichtig. Jeder Bürger hat in der Demokratie eine Stimme, auch die, die nicht wahlberechtigt sind. Also lasst diese Stimme nicht verfallen und sorgt für eine Debattenkultur in Deutschland und zeigt wenigstens etwas Interesse für, Politik.

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