Der Lobbyist der Schüler - im Gespräch mit Noah Wehn

von SZ-Autor

Geschrieben von Franz Richter

Haben Schüler denn eine Möglichkeit, sich politisch zu engagieren? Gibt es überhaupt eine Verbindung zwischen Schülern und Politik? Die Antwort ist ganz einfach: Ja. Was viele nicht wissen – es gibt durchaus noch andere Gremien neben dem Schülerrat. Jede Schule entsendet einen Schüler in die Stadt- bzw. Kreisschülerräte und die dann wiederum in den Landesschülerrat. Der Landesschülerrat hat einen gewählten Vorstand und dieser einen Vorsitzenden, den Landesschülersprecher.

In Sachsen hat diesen Posten Noah Wehn, ein 16-jähriger Elftklässler aus Leipzig, inne. Er wurde am Anfang des Schuljahres auf diesen Posten gewählt und bestimmt nun die Leitlinien der höchsten Schülervertretung Sachsens. Wir haben ihn in einem Interview getroffen und einige Fragen zum Thema „Schüler und Politik“ gestellt.

Das Interview mit eurem Interessenvertreter in der Bildungspolitik haben wir in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil besteht aus den Fragen, die wir in der Redaktion bereits ausgearbeitet haben. Diese sind zum einen zu Noahs Person, zur Arbeit des LSR und wie er euch die Politik näherbringen will. In Vorbereitung auf den zweiten Teil haben wir eine Umfrage erstellt und euch die Gelegenheit gegeben, eure eigenen Fragen zu stellen.

Wir hoffen sehr, euch die Politik etwas näher zu bringen und zu zeigen, was ihr mit eurem Engagement bewirken könnt. Und jetzt viel Spaß beim Lesen des Interviews.

Der erste Fragenkomplex bezog sich auf Noahs Person. Viele Fragen sich bestimmt, wie man als Schüler auf die Idee kommt, sich Seite an Seite mit dem Kultusministerium um die Bildungspolitik in Sachsen zu kümmern. Oder wie man bis in dieses Amt kommt.

SZ-News: „Was hat dich dazu veranlasst, für das Amt des Landesvorstands zu kandidieren? Was möchtest du in dem Amt bewirken?“

Noah: „Ich mochte es schon immer zu sprechen und mich für andere einzusetzen. Außerdem möchte ich die Schüler vertreten und für deren Rechte eintreten. Ich war seit der 10. Klasse Schülersprecher in meiner Schule, wurde dann in den Vorstand des Stadtschülerrats Leipzig gewählt und 2017 zum Vorstandsvorsitzenden. Dieses Amt hatte ich dann für drei Monate inne, bis ich zum Vorsitzenden des Vorstands des Landesschülerrats gewählt wurde.“

SZ-News: „Was für konkrete Ziele hast du in deinem Amt? Was möchtest du bewirken?“

Noah: „[...] Es ist mir ganz wichtig, dass die Schülervertretung gesellschaftlich noch weiter anerkannt wird, dass sie medial noch präsenter wird und dass sie allgemein besser wahrgenommen wird. Also, dass man uns wirklich als politischen Akteur sieht. Ich will die Schülervertretung festigen und stärken, weil ich das für unheimlich wichtig halte. Politisch ist es schwer zu sagen, wir setzen uns Ziele und das war es, denn wir bestimmen ja nicht die Debatten. Wenn also beispielsweise über das Bildungsticket diskutiert wird, müssen wir uns dafür positionieren. [...] Mir ist es zum Beispiel sehr wichtig, dass Oberschulen und Gymnasien gleichberechtigt sind. Ich habe nämlich selbst einige Oberschulen besucht und festgestellt, dass dort der Lehrkörper gar nicht mehr als solcher respektiert wird. Es muss an Oberschulen erst einmal dieses Problem behoben werden und Voraussetzung dafür ist, dass Oberschulen dieselben finanziellen Mittel wie Gymnasien erhalten. […] Zuhause arbeiten wir bereits mit Laptop, Smartphone, Google und in der Schule nach wie vor mit dem Hefter und das muss sich ändern, denn auch unsere Gesellschaft hat sich verändert. Der Unterricht muss interaktiver und kompetenzorientierter werden, er muss sich verändern und an die heutige Zeit anpassen. Auch für das Bildungsticket und eine bessere Berufs- und Studienorientierung hat sich der LSR besonders eingesetzt. [...]“

SZ-News: „Inwieweit warst du vorher politisch aktiv?“

Noah: „Erstens war ich schon immer ein sehr politischer Mensch, habe gerne diskutiert, mich aber auch für Minderheiten eingesetzt. Dann war ich vom Februar 2017 bis zu meinem Amtsantritt als Landesschülersprecher im November im Jugendparlament der Stadt Leipzig. In der zehnten Klasse wurde ich dann zum ersten Mal zum stellvertretenden Schülersprecher gewählt, war dann Vorstandsmitglied im Stadtschülerrat, habe in den Sommerferien eine Agenda mit vielen Zielen für den Stadtschülerrat erstellt und ganz oft herumtelefoniert mit dem Ziel, dem Stadtschülerrat, den ich für etwas träge hielt, einen Ruck zu geben mit meiner Energie. Im November wurde ich dann zum Landesschülersprecher gewählt und bin deshalb als Stadtschülersprecher zurückgetreten. Das war mein Ziel, da man auf Landesebene etwas für alle Schülerinnen und Schüler Sachsens erreichen kann.“

SZ-News: „Engagierst du dich parallel zu deinem Mandat noch anderweitig?“

Noah: „Ich bin in keiner Jugendpartei und das bewusst, da ich alle Schüler Sachsens vertreten will und ich fühle mich allen Schülern verpflichtet, auch denen die nicht einer bestimmten Partei angehören.“

SZ-News: „Wie willst du dich in Zukunft engagieren? Das Abitur nächstes Jahr kann ja durchaus anstrengend werden. Ist das mit deinem Posten zu vereinbaren.“

Noah: „Das muss es. Ich wurde auf zwei Jahre gewählt. Das Abi wird eine spannende Zeit, aber ich muss auf Effizienz setzen, unausgefüllte Zeiten nutzen und Prioritäten setzen. Ich lerne also beispielsweise meine Hausaufgaben auf Zugfahrten zu machen, dann komme ich spät abends wieder nach Hause, führe Telefonate und mache noch etwas für die Schule, bevor ich schlafen gehe. Da muss ich andere Dinge hinten anstellen.“

SZ-News: „Was möchtest du nach dem Abitur machen?“

Noah: „Ich kann mir gut vorstellen etwas in Richtung Wirtschaft zu studieren, zum Beispiel internationales Management, auch im Ausland. Ein Unternehmen zu gründen könnte ich mir auch gut vorstellen.“

Jetzt wisst ihr schon mal einiges zu Noah als Person und habt auch schon einmal einen kurzen Eindruck darüber bekommen, wofür sich der LSR einsetzt und was er alles erreichen kann. Doch gemäß unserer Wochenserie wollten wir für euch herausfinden, wie man selbst politisch aktiv werden kann.

SZ-News: „Wie kann man sich als Schüler im LSR engagieren, wenn man nicht in einer der Kreis- beziehungsweise Stadtschülerräte sitzt?“

Noah: „Zum einen kannst du dich bei uns als Berater bewerben. Dazu schreibst du einfach eine Email an die Büroleiterin und hängst da noch ein Motivationsschreiben an, warum du dich für geeignet hältst. Wenn du angenommen wirst, hast du zwar kein direktes Stimmrecht, kannst aber als Berater maßgeblich beim Entscheidungsprozess im LSR mitwirken. Und so kann man uns unterstützen, aber man kann uns auch einfach unterstützen, indem man an seiner Schule gute Arbeit leistet und sich engagiert. Dazu musst du nicht einmal Schülersprecher sein. [...]“

Sicherlich ist die Option, Berater des LSR zu sein, eine Möglichkeit, aktiv mitzuwirken. Wir fragten uns, ob es beim LSR ein gewisses Informationsproblem gibt, wenn die wenigsten Schüler von diesen wissen. Ähnlich sieht es beim jährlich stattfindendem Planspiel Landtag aus, von dem man nur erfährt, wenn man die Facebookseite des LSR Sachsen abonniert hat oder jemanden kennt, der jemanden kennt, der dort schon einmal mitgemacht hat.

SZ-News: „Der LSR ist nicht nur die Verbindung von uns Schülern zur Politik, sondern soll uns diese auch näherbringen. Ein Beispiel dafür ist das Planspiel Landtag. Wie hilft das deiner Meinung nach, die politischen Bildung von Schülern zu fördern.“

Noah: „Der LSR hat zwei zentrale Aufgaben im politischen Kontext. Das ist zum einen die politische Arbeit, also die Interessenvertretung, die Lobbyarbeit. Und zum anderen, das ist mindestens genauso wichtig, die politische Partizipation der Schüler zu ermöglichen, das heißt, indem ich mich engagiere, als Klassensprecher, Schülersprecher und so weiter, erlerne ich bestimmte Fähigkeiten. Ich lerne, wie Systeme funktionieren und ich lerne: Demokratie ist ja eigentlich eine ganz feine Sache. Und Ich lerne zum Beispiel (steht auf), wenn ich mich hier hinstelle, meine Meinung sage und überzeugende Argumente liefere und du, oder die meisten, dann den Arm hebst, dann merke ich, dass ich etwas durchsetzen kann, weil ich eine Mehrheit habe und zwar demokratisch ohne meinen Bizeps einzusetzen. Das ist etwas ganz wichtiges und „Learning by doing“ ist da eine ganz essentielle Sache.“

Das war auch schon der erste Teil unseres großen Interviews mit eurem Vertreter in Sachen Bildungspolitik. Wir hoffen, dass ihr durch SZ-NEWS bereits einiges über Noahs Person, seine Motivation und seine Ziele erfahren konntet.

Viele von euch wissen jetzt auch sicher besser über die Projekte des LSR und seine Rolle in der Politik Bescheid.

Wer nun vielleicht mit dem Gedanken spielt, als Berater im LSR mitzuwirken oder Politik, insbesondere Bildungspolitik, interessant findet, der kann sich morgen auf den zweiten Teil des Interviews freuen.

Zurück