Nossen bekommt seinen ersten Stolperstein

von Alexander Rosetz

Nossen bekommt seinen ersten Stolperstein

Am 07. Mai 2024 wird in Nossen der erste Stolperstein im Gedenken an Erika Köhler verlegt. Um 16 Uhr wird im Rahmen eines 30-minütigen kulturellen Programms in der Dresdner Straße 41, dem letzten Wohnort Erika Köhlers, eine Gedenkfeier stattfinden. Erika Köhler ist ein Opfer der „Kindereuthanasie“ im Nationalsozialismus.

Im Rahmen eines Jugendprojektes des Erich-Zeigner-Haus e.V. recherchierten wir, Schülerinnen und Schüler der 9. und 11. Klassen, intensiv das Schicksal des 3– jährigen Mädchens, das am 26. November 1941 geboren wurde. Aufgrund körperlicher Beeinträchtigungen wurde Erika Köhler am 10. April 1945 in die „Kinderfachabteilung“ der Heil- und Pflegeanstalt Großschweidnitz „eingewiesen“. Nur 11 Tage später, dem 21. April 1945, wurde sie dort durch die Überdosierung von Beruhigungsmittel ermordet. In der Krankenakte wurde „Bronchitis“ als Todesursache vermerkt. Auf diese Weise versuchten die Ärztinnen und Ärzte die Krankenmorde zu vertuschen.

„Schon Hans und Sophie Scholl, die Namensgeber unserer Schule, setzten sich gegen die Nationalsozialisten ein. Deshalb ist es uns ein großes Anliegen, Aufmerksamkeit für die Geschichte einzelner Opfer aus der NS-Zeit zu schaffen. Gerade in der heutigen Zeit, ist es uns ebenfalls wichtig, ein politisches Zeichen gegen Rechtsextremismus in unserem Alltag zu setzten. Um Vergangenes wieder ins Bewusstsein zu holen, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht im Zuge des Projektes an Erika Köhler zu erinnern.", erklären Emelina und Lena.

Wir arbeiteten während der Rekonstruktion der Biografie mit Originaldokumenten aus dem sächsischen Staatsarchiv und besuchten im Zuge des Projektes die Gedenkstätte Großschweidnitz. Dort erhielten wir eine Führung durch die Ausstellung und beschäftigten uns im Rahmen eines Workshops mit der Thematik der „Kindereuthanasie“ im Nationalsozialismus.

„Wir freuen uns, dass mit der Stolpersteinverlegung ein weiterer Ort der öffentlichen Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Nossen geschaffen wird“ äußert sich Christopher Mäbert, Projektleiter des Erich-Zeigner-Haus e.V. „Zudem ist es uns wichtig, dass mit Erika Köhler als Opfer der NS-Krankenmorde, einer Opfergruppe gedacht wird, die bisher weniger bekannt ist“.

Die Projektgruppe lädt Sie recht herzlich ein, bei der Gedenkfeier in Nossen, in der Dresdner Straße 41, um 16 Uhr dabei zu sein.

Mit den besten Grüßen

Die Projektgruppe des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Nossen

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